Macht euch auf einen etwas längeren Text gefasst. Denn es geht um “Love Story” aus dem Jahre 2015 von Michael Wayne Atha aka Catfish Billy aka The Ghetto Cowboy aka the one and only YelaWolf

Diese Challenge habe ich mit dem Gedanken im Hinterkopf begonnen, endlich mal begründet etwas über diesen Künstler zu schreiben. 😀 Und heute ist es soweit.
Ich weiß noch wie heute, 2014 in meiner WG in Trier. Ich habe irgendwelchen Blödsinn in der Küche gemacht, als auf einmal aus dem Zimmer meines Mitbewohners Mo ein Song schallte. Von Mo habe ich viel mitgenommen, der hatte immer krassen Underground und Alternative Shit laufen aus allen möglichen Nieschen-Genres. Ich klopfe also an der Tür und öffne sie. “Yo Alter, wer ist das denn?!” Und Mo “Ey Schneider (ich weiß echt nicht mehr ob wir so gesprochen haben und das Gespräch diesen Verlauf nahm, aber in meinem Kopf habe ich das so gespeichert. 😀 ) das ist der krankste Scheiß! Yelawolf heißt der gute Mann, aus den Staaten. Gerade entdeckt.” Besagter Song war “Box Chevy Pt. 3” vom Album “Trunk Muzik”. Melancholischer Trap Beat und dazu konträre Lyrics, die den Song noch mehr Badass machten. Und so war es passiert. Der findige Leser wird festgestellt haben, dass mein erster Kontakt mit diesem Künstler vor dem Release des vorzustellenden Albums stattfand. “Trunk Muzik” war ein reines Hip Hop Album und ich war gerade 19 oder 20 oder so, habe das erste mal nicht mehr zu Hause gewohnt, lebte in einer fremden Stadt… Ich war ultra heiß darauf, meine musikalische Identität weiter zu entwickeln und habe allem eine Chance gegeben. Die Liebe kam aber erst ein paar Monate später, zum Release von “Love Story”.

Heute hört ihr auch das erste mal von den Kriterien, die für mich einen guten Künstler und gute Musik ausmachen. Es sind drei Dinge, die zusammenspielen müssen. 1. Der Sound an sich. Natürlich muss mir die Musik irgendwie gefallen. 2. Die message/lyrics/theme eines Künstlers. Worüber wird in seiner Musik gesprochen? Behandelt er immer dasselbe Zeug oder kann er auch über den Tellerrand hinaus schauen? Und 3. die attitude eines Künstlers. Ist er authentisch? Kauf ich ihm das alles ab? Mag ich seinen generellen Style? Sowas in der Art.

Bei keinem der Künstler, die ich kenne und schätze, werden diese drei Kriterien so außergewöhnlich hervorragend erfüllt wie bei Yelawolf.

2015 dann “Love Story”. 75 Minuten Laufzeit. Lediglich ein Interlude von 1:30 Minuten. Nur ein Feature mit Eminem. 18 Songs. Das ist eine Ansage. Denn anders als bei vielen anderen Künstlern schlägt hier Quantität nicht Qualität. Das sieht man zum Beispiel daran, dass unter den meist gehörten Songs der Dekade von mir laut Spotify ein Yelawolf Song erst irgendwo auf Platz 20 landet, Yelawolf aber in drei Jahren (!) seit 2014 mein meist gehörter Künstler des Jahres war und selbstredend auch der meist gehörte Künsler der Dekade.

Aber wieso ist er der Größte für mich? Lasst uns das gemeinsam aufschlüsseln. 😀
Gestartet 2005 mit “Creekwater”, selbst produziert und veröffentlicht, hat es lange gedauert, bis er richtig durchgestartet ist. Man hört dem Album das low budget aber auch an. Ausnahmsweise mal kein starkes Debüt, soll es ja auch geben. 😀 Fünf Jahre später dann “Trunk Muzik” unter DGC Records veröffentlicht. Kann ich euch nichts zu sagen, das Label kenne ich nicht. Aber das war der Beginn. Denn niemand geringeres als Eminem nahm ihn danach unter Vertrag. Ein Jahr später “Radioactive”, die erste Veröffentlichung unter Interscope. Und leider leider tatsächlich erstmal wieder ein Rückschritt! Bis auf ein paar Ausnahmen kein gutes Album. Danach nahm man sich Zeit und 2015 kam “Love Story”. Jetzt fangen wir an zu reden!
Denn hier wird das erste mal die ganze Bandbreite seines Portfolio dargestellt. Mit Bones Owens, einem waschechten Rock-/Country Singer-/Songwriter aus Missouri und DJ Klever, der DJ Awards in den USA gesammelt hat wie ein Wahnsinniger, hat er ein congeniales Trio gebildet, welches sich einzigartig ergänzt. Wie beschreibt man den Stil, den diese drei geprägt haben? Am besten mit einem Zitat aus einer Zusammenarbeit mit Travis Barker. “I’m too Rock for Hip Hop, too Hip Hop for Rock n’ Roll. I’m too city for Rednecks. And I’m too country for city folks.” Der Kollege mixt und würfelt einfach alles zusammen! Es geht auf. Es ist unfassbar. Mittlerweile lässt er das auch einfach parallel laufen. Die “Trunk Muzik”-Reihe und sein Alter Ego “Catfish Billy” bedienen den eher aggressiveren Rap, würde fast behaupten Gangster Rap. Und “Love Story”, “Trial by Fire” und “Ghetto Cowboy” vereinen das Beste aus allen Genres. Nebenher veröffentlicht man mit der “Arena Rap EP” ein paar Country Songs, produziert zusammen mit dem Sohn von Weylon Jennings, einer absoluten Country Legende und Zeitgenosse von Johnny Cash, einige Songs, macht eine EP namens “Slumdon Bridge” mit Ed Sheeran, der bekennender Yelawolf Fan ist, oder mit der “Hotel EP”, die aus dem Nichts erschienen, nicht promotet wurde, kostenlos im Netz schwebt und besser als 95% der Alben von anderen Künstlern darsteht. (Die einzigen Musikdateien, die ich auf meinem Handy habe. Gibt es nämlich nicht als Stream.) Neben der Parallelität der “Trunk Muzik”-Reihe und den anderen LPs muss man noch erwähnen, dass aber ja auch IN DEN EINZELNEN SONGS genreübergreifende Elemente vorhanden sind! “Til it’s Gone” als Beispiel. Oder “Daylight”. Oder “Shadows”. Es gibt seit 2015 keinen einzigen Totalausfall. Man kann alles hören. Für jeden ist was dabei.

Er sprengt Grenzen und Genres.

Mittlerweile ist er schon wieder bei Eminem raus und hat sein eigenes Label namens “Slumerican” gegründet. Der Typ. Ich könnte noch so viel mehr schreiben. Aber ich muss auch irgendwann mal ein Ende finden, wenn ich Hoffnung haben will, dass überhaupt jemand so weit liest. 😀

Highlights noch! Ähm… die letzten fünf Alben? Alle EPs? 😀 Aber begonnen hat es mit “Love Story”. Und das ist bisher die beste Love Story, die ich kenne. Denn es ist kein Ende in Sicht. Hört es euch an! 🙂

Leave a Comment